Archiv der Kategorie: Was war los?

Was war los, Bergundsteigen?

„Auf deiner Visitenkarte von Christophorus Flugrettungsverein wirst Du als „Ground Operator“ bezeichnet. Was macht dieser Verein, was darf man sich unter dieser Tätigkeit vorstellen und wann und wie bist Du zum Flugrettungsdienst gekommen?“

und dann:

„Kommt es vor, dass ihr als Flugretter bzw. die Helikopterbesatzung einen Einsatz ablehnt? Wie ist deine persönliche Haltung zum Thema „Retten um jeden Preis“ und wie thematisiert ihr diese Problematik in der Ausbildung?“

und später:

„Wie werde ich in Österreich Flugretter – wie lange dauert die Ausbildung, welche Anforderungen müssen erfüllt werden? Existieren bei den Ausbildungsinhalten gravierende Unterschiede zu anderen Alpenländern?“ (Gespräch mit Joe Redolfi, bergundsteigen 3/09, http://www.bergundsteigen.at)

Drei, vier verschiedene, aber nun wirklich völlig verschiedene Fragen in einer – was soll man darauf nur antworten???

Was also war los, Bergundsteigen?

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Was war los, Süddeutsche?

Das Kuschel-Interview (http://www.sueddeutsche.de/kultur/231/490605/text/) mit dem abgesägten Generalmusikdirektor Christian Thielemann in der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung hat Joachim Kaiser geführt.

Darin stehen „Fragen“ wie: „Aber die Konzerte waren doch dann zum Teil sehr schön.“ Im Vorspanntext heißt es, Kaiser sei „der einzige Partner, mit dem er [Thielemann] überhaupt noch reden wollte“.

Die zwei Neben-Musikpäpste der SZ, die in der Berichterstattung zu Thielemann auch die eine oder andere kritische Bemerkung aufzuwerfen wagten, waren dem Herrn Dirigenten also nicht genehm als Interviewpartner. Die SZ lässt sich das gefallen und schreibt es auch noch auf.

Was war los, Süddeutsche?

Was war los, Lettre International? Interview Thilo Sarrazin

Wen Google hierhergeschickt hat, damit er das komplette Interview lesen könne, das Lettre International mit Thilo Sarrazin geführt hat – den schicke ich weiter an den Kiosk: Ladentheke, Bargeld, Printprodukte, Analog-Welt – die Nummer.

Krawallig genug liest sich schon der Teil, der online steht (http://www.lettre.de/aktuell/86-Sarrazin.html). Erstaunlich, angesichts solcher lahmer Mehrfachfrage-Raketen, die die Kollegen da abgefeuert haben:

„Wie würden Sie die Etappen der Entwicklung Berlins seit 1989 beschreiben, die Meilensteine der Entwicklung? Sie sagten im Jahre 2006, der Schutt sei abgeräumt, man sei nicht mehr im Jahre 1945, sondern schon im Jahre 1947 angekommen. Wo befindet sich Berlin heute?“

Was genau, lieber Herrschaften Interviewenden, wollten Sie noch mal wissen?

So kann sich der Befragte schön raussuchen, was aus dem Fragemenü ihm passt und was er mit einer Antwort zu beehren gedenkt – und was nicht.

Was also war los, Lettre International?

Was war los, TAGESSPIEGEL?

Kann man ein Interview langweiliger überschreiben als so:

„Ich erwarte, dass die Länder sich ihrer Verantwortung stellen“ (http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Schweinegrippe-Ulla-Schmidt;art122,2893375)

Kann man dem Leser auf irgendeine Art deutlicher signalisieren: Wir haben hier nix Interessantes für Dich! Bitte blättere weiter! Geht es noch dröger?

Ich glaube nicht. Ich wüsst nicht wie. Echt keine Ahnung.

Was also war los, Tagesspiegel?

Was war los, SÜDDEUTSCHE?

„Wie viele Millionen Euro haben Sie für den Stellenabbau an Rückstellungen gebildet?“

und dann

„Sie haben die Zahl der Leiharbeiter verringert. Um wieviel?“

und dann

„In welchen Bereichen werden Leiharbeiter bei Wacker beschäftigt?“

Solche Fragen – in einem Wort zu beantworten und dann auch noch gerne hölzern formuliert – fragt das Interview mit dem Wacker-Chemie-Personalvorstand Wilhelm Sittenthalter auf den Wirtschaftsseiten der SZ vom 10.7.

Schön für die Reporterin, dass sie sich die Mühe sparen konnte, aus dem Recherchegespräch einen vernünftigen Text schreiben zu müssen.

Schade für den Leser, dass er sowas Langweiliges vorgesetzt bekommt.

Was war los, Süddeutsche Zeitung?

Was war los, FOCUS?

Wikipedia-Wissen (okokok, das steht in dem Fall nicht bei Wikipedia, aber dafür sicher im Munzinger) im Interview abzufragen, und dann auch noch falsch informiert? Peinlich, respektlos gegenüber dem Interviewten, also no go, nicht machen, pfui, bäh!

Focus: Herr Kagermann, Sie haben drei Töchter…

Kagermann: … zwei, einen Sohn.

… und dann, eine halbe Frage später:

Kagermann: … Ich bin ja ohne Vater aufgewachsen…

Focus: Er starb, als Sie sieben waren.

Kagermann: Nein, viel früher….

This goes not! Was war los, Focus?

(„Die verfolgen Sie auch nachts“, Interview mit Henning Kagermann, Focus 24/2009)

Was war los, SPIEGEL?

SPIEGEL: Sie ecken gern an?

SPIEGEL: Sehen Sie die Kirche in der aktuellen Wirtschaftskrise besonders gefordert, laut ihre Stimme zu erheben?

SPIEGEL: Wenn heute nach Erklärungen für die Krise gesucht wird, ist viel von den Finanzinstrumenten die Rede, die das System an den Rand des Kollaps geführt haben. Kommt ein Mann der Kirche, der noch über Kategorien wie Gut und Böse oder Sünde verfügt, zu einer anderen Analyse als wir Kinder der Aufklärung?

Mit solchen Luschenfragen komplett ohne Haltung, gänzlich rückgratfrei, setzt sich der SPIEGEL Bischof Walter Mixa auf den Schoß – eine Schande für das Blatt.

Was war los?

(„Da beginnt für mich die Hölle“, Walter Mixa im Gespräch mit dem Spiegel, 23/2009, nicht online abrufbar – macht aber wirklich gar nix…)