Archiv der Kategorie: Fragen an Gefragte über das Fragen und Gefragt-Werden

Alle Interviewer sind Arschlöcher…

findet Hape Kerkeling. Obwohl er es eigentlich nicht findet. Aber er sagt es sich zumindest immer, erzählte er neulich in einem Spiegel-Interview, als er über sein erstes Interview sprach:

… Insofern habe ich mir eine Arschlochigkeit angewöhnt, die ich in Wahrheit nicht habe.

SPIEGEL: Seit wann sind Sie so?

Kerkeling: Seit meinem ersten Interview 1985, das ist lange her. Was haben Sie damals gemacht?

SPIEGEL: Ich war zehn und Schüler.

Kerkeling: Dann haben Sie das Interview vielleicht gelesen, wenn Sie Pech haben, es stand in der „Funk Uhr“. Vor dem Gespräch kam der Regisseur meiner damaligen Sendung zu mir und sagte: „Du musst eigentlich nur eins wissen, und daran denkst du bei jedem Interview, egal wer dir gegenübersitzt. Denk immer: Dieser Journalist ist das größte Arschloch, das mir je begegnet ist. Dann ist alles okay.“ Dann kam aber eine sehr nette Dame von der „Funk Uhr“, und ich dachte, die habe ich mit Anstand zu behandeln, ich war 21, die Dame jenseits der 50, also war ich sehr höflich zu ihr. Und sie? Hat mich verrissen nach allen Regeln der Kunst. Die hat mich so fertig gemacht in diesem Interview, und seither denke ich am Anfang jedes Gesprächs, dass vor mir ein riesengroßes Arschloch sitzt.

SPIEGEL: Denken Sie das jetzt gerade?

Kerkeling: Ich stelle mir gerade den Zehnjährigen vor, dann ist das schon weniger arschlochig.

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Fragen statt den Knieschmerz bejammern: Kluges von Kluge über das Fragen

Alexander Kluge lässt sich heute in der Welt zu Beginn seiner Gesprächsserie über das Fragen befragen.

Klingt vielversprechend, read it yourself:

http://www.welt.de/kultur/article12469035/Alexander-Kluge-und-die-Kunst-der-Gespraechsfuehrung.html

Interview mit Ben Becker über das Interviewtwerden

Interview mit Ben Becker über das Interviewtwerden. Salzburg, 19.8.2010

Interviewt zu werden ist für mich …

Becker: …. beschissener Bestandteil meiner Arbeit.

Ich find’s gut, wenn Leute, die Interviews machen, darauf achten, dass sie ….

Becker: …. Respekt vor mir haben und sich benehmen. Und keine Hinterfotzigkeiten, bitte!

Was ich überhaupt nicht ab kann ist, wenn Journalisten Interviews führen und dann …

Becker: …. glauben, sie könnten sich von hinten rum ganz schlau ranpirschen – da haben sie schlechte Karten.

Die Frage, die mir immer wieder gestellt wird und die ich überhaupt nicht mehr ab kann ist:

Becker: … sind Sie ein Rüpel?

Die Frage, die mir noch nie einer gestellt hat und die mal endlich einer stellen sollte, ist:

Becker: „Sie sind doch eigentlich ein hochintelligenter Mensch?“

Die Antwort darauf wäre …

Becker: Ja…

Was ich die ganzen Journalisten mal gerne fragen würde ist, …

Becker: Wie kommt ihr eigentlich dazu, derart, nee, tut mir leid, das kann ich so nicht beantworten, denn es gibt viele verschiedene Journalisten. Und ich kann nicht alle über einen Kamm scheren. Aber bei einigen wäre schon die Frage: „Warum gehst du um deiner Karriere halber über Lei…“

Unterbrochen zu werden finde ich …

Becker: Unverschämt.

Weil?

Becker: Kein Respekt. Kein Benimm.

Fragen an Peter Sloterdijk über gefragt sein/werden: „Das Interview als Mikrotheater“

Herr Sloterdijk, interviewt zu werden ist für mich …

Sloterdijk: … die Konfrontation mit Menschen, die Fragen stellen nach Dingen, die sie nicht wirklich interessieren oder nur sekundär interessieren, weil ein Berufsfragesteller ja keine natürlichen Fragen stellt…

Das Interview als ein Spiel, ein Theaterstück, eine Art Komödie: Interview mit Prof. Dr. Peter Sloterdijk über das Fragen, Gefragtsein und Gefragtwerden: