Archiv der Kategorie: Aus der Fragebranche

Fragen für jedermann, äh: -frau, respektive – keineN

Die Berg bei SPON ziemlich schlau und witzig über Interviewklischees.

Katastrophen bei den Germanisten

Auf – sehr nette – Einladung von Torsten Hoffmann war ich heute bei den Germanisten. Wie viel Täuschung und wie viel Wahrheit steckt im Interview? Wo ist die vermeintliche Nichtinszeniertheit des Interviews nichts anderes als Inszenierung? Darum ging’s unter anderem. Es wird davon hier noch zu lesen sein.

Eins war aber schon mal so toll, dass ich es hier gleich wiedergeben muss. Das von Ewa Wojno-Owczarska vorgetragene, wunderbare Kathrin-Röggla-Zitat nämlich:

Klar ist, Gespräche sind kleine bewegliche Katastrophen, dauernd geht etwas schief, sie folgen keinem Leitfaden, den man sich gemacht haben könnte, und die Missverständnnisse sind unermesslich.

(Zum Nachlesen: Kathrin Röggla: Stottern und Stolpern. Strategien einer literarischen Gesprächsführung. In: Kathrin Röggla: Besser wäre: keine. Fischer 2013)

Danke!

Wie gesagt: More to come.

„Sind das Ihre Fragen?“

Interviews mit Musikern – da kann man schon mal aus dem Takt geraten:

http://www.nme.com/blogs/nme-blogs/17-excruciatingly-awkward-music-tv-interviews-that-will-make-you-cringe-watch

So kann’s gehen

Ist das nicht eine unfassbar wunderbare Art, Interviews aufzubereiten? Watch and enjoy!

http://blankonblank.org/interviews/philip-seymour-hoffman-happiness/

„Meine Einstiegsfrage hatte nur bedingt Charme“

Wunderbar! Stefan Willeke von der ZEIT hat Per Mertesacker und ZDF-Reporter Büchler im Gespräch über ihr Gespräch nach dem Algerien-Spiel:

http://www.zeit.de/2014/50/per-mertesacker-boris-buechler-streit-fussball-weltmeisterschaft

Zum Reporterpreis…

, der mit der Kategorie Interview den einzigen (in Worten: einzigen) Interviewpreis im Land auslobt, hat mich der hochgeschätze Mario Müller-Dofel befragt:
http://www.abzv.de/gespraech/reporter-forum-vergibt-preis-fuer-bestes-interview/

„Jedes Kasperltheater ist erlaubt“ – Uslar über Interviews

„Jedes Kasperltheater ist erlaubt – sofern es der Vertrauensbildung dient.“ Und noch weitere zirka 999 Thesen über die Kunst des Interviews von Moritz von Uslar:

(Wieder-)entdeckt: Pingpong-Interview mit Paris Hilton

Ein unfassbar schnelles, geistreiches, schlagfertiges und im Laufe des Gespräches doch ziemlich auf Augenhöhe geführtes Ping-Pong-Interview, das auch noch toll ins Deutsche übersetzt wurde: Paris Hilton zu Besuch in der Interviewhölle bei Piers Morgan. Lesen! Nachmachen!! (Danke an Claus Lochbihler für den Hinweis!)

http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2006-35/artikel-2006-35-gefaellt-mir-nic.html

 

 

Rösler-Interview mal anders – ohne Rösler

Interview mit Rösler, Rösler zickt – dann halt ohne Rösler. Bravo! http://blogs.taz.de/hausblog/2013/09/09/philipp-roesler-fragen-und-keine-antworten/

Fragen über Fragen – Antworten über Antworten

Ich habe die große Pflicht und die mindestens so große Ehre, als Vorjuror die Interviews für den Deutschen Reporterpreis, Kategorie Interview, zu lesen. Es sind knapp mehr als 100 Interviews, die die Kolleginnen und Kollegen da eingereicht haben und die ich zu lesen habe. Interviews aus den Leid-, äh: Leitmedien und welche aus der Provinz. Gespräche mit ganz großen, überlebensgroßen Stars und Gespräche mit mehr oder weniger normalen Menschen. Lustige Interviews und sehr traurige Interviews. Fragen über Fragen, Antworten über Antworten.

Ich möchte eigentlich am Bildschirm lesen, denn irgendwie muss man ja durchkommen durch die über 100 Texte.  Und dann bleibe ich doch wieder hängen, an einem Satz, eine Frage, einer Antwort, die einen bewegt, und dann druck ich mir doch wieder das ganze Ding aus und lese es. So sind derzeit meine Abende.

Danke jedenfalls, Kolleginnen und Kollegen: Das ist ein ganz schön ordentlich großer Kübel an tollen Interviews, den Ihr da im vergangenen Jahr über das Land ausgekippt habt!

Was war los, Sueddeutsche? Könnt Ihr das Wasser nicht halten?

Dass eine Zeitung mit Zitaten aus einem selbstgeführten Interview zu Marketingzwecken auf den Info-Markt wirft, ist normal.

Dass sie das am Vorabend des Erscheinens tut, ist auch normal.

Was aber die Süddeutsche da macht, finde ich irgendwie nicht normal: Sie berichtet in der Samstagsausgabe – und online – über ein Interview, das in der Montagsausgabe erscheinen wird. Haut als Appetithappen auf dieses – ehrlich gesagt nicht so Wahnsinns-Kracher-Jetzt-fliegt-uns-gleich-die-Welt-um-die-Ohren-mäßige – Interview Zitate raus (http://www.sueddeutsche.de/L5h38F/3655771/Vosskuhle-Es-muss-ein-Schlusspunkt-gesetzt-werden.html), die erst zwei Tage später überprüft und im Kontext gelesen werden können.

Was kommt als nächstes: Der Focus vermarktet am Donnerstag ein Focus-Interview vom kommenden Montag – das dann am Montag entweder gar nicht mehr erscheint oder, noch besser, schon inklusive der Reaktion auf das Interview oder, noch noch besser, inklusive der Reaktion des Interviewten auf auf die Reaktion auf das Interview?

Leute, haltet doch einfach mal das Wasser.

Voll putzig: Zeit kritisiert Kässmann-Interviews – per Interview

Ist mir jetzt nochmal in die Hände gefallen: Voll putzig, wie die Zeit Margot Kässmann vorwirft, sie gebe medial zu viel Gas – in einem Interview…

ZEIT: Trotzdem sind Sie öffentlich enorm präsent. Der Kirchentag, ein Spiegel- Interview, das Gespräch hier mit uns, jetzt das neue Buch Engagiert evangelisch , Auftritte im Fernsehen…

Käßmann: (schweigt)

ZEIT: Roland Koch sagt, es schafft keiner in der Öffentlichkeit, ohne dass Abnutzungsspuren bleiben von der medialen Verwertung. Haben Sie Angst, die Leute könnten sagen: Schon wieder die Käßmann?

Käßmann: Ja, auf jeden Fall. Es kann auch zu viel Käßmann werden in den Medien. Deshalb habe ich die letzten Monate gesagt: Jetzt muss ich das alles wirklich abbremsen. Ich muss zum Beispiel im Moment nicht in Talkshows gehen.

ZEIT: Aber welchen Sinn hat es zum Beispiel, dass Sie kürzlich im SZ-Magazin mit Fahrradluftpumpe auf dem Titel waren, zu der Frage: Wie lebt es sich ohne Führerschein, Frau Käßmann?

Käßmann: Ich habe das spontan zugesagt. Das war ja ein Motiv aus diesen Wortlos-Interviews, bei denen die Antworten jeweils nur aus einem Foto bestehen. Ich schau mir die Serie jedes Mal gern an. Als die Frage kam, ob ich mitmache, habe ich spontan zugesagt. Ich fand die Idee witzig, mach ich. So war das. Ich habe hier nicht gesessen und gebrütet, was bedeutet das?

ZEIT: Aber Sie sind doch Medienprofi.

Käßmann: Was meinen Sie denn, welchen Zweck ich verfolgt habe? Margot Käßmann darzustellen? Die meisten Leute fanden es gut zu sehen, die kann auch fröhlich sein. Die ist nicht nur »voll depri«.

(„Reiß Dich zusammen, Margot“, Interview mit Margot Kässmann, Zeit vom 26.8.2010, Hier der komplette Text)

Warum Reporter Luschen sind…

… und die Interviewer die eigentlichen Journalistenkönige – so, bzw. so ähnlich argumentiere ich zumindest in folgendem Beitrag (S. 24) für „impresso, die Zeitschrift für Zeitschriftenmacher“

http://www.szv.de/downloads/deutsch/veroeffentlichungen/impresso_2_2010.pdf

Uslar performt über Interviews

Der Showfaktor war sehr, sehr hoch, die Relevanz mehr so lálá – anyway: Moritz von Uslar spricht, doziert, performt über Interviews beim Reporter-Forum zu Hamburg, zuhören lohnt sich:

http://reporter-forum.de/fileadmin/mp3/audiofiles_workshop10/Uslar001.mp3

No Future

Dirk von Gehlen (jetzt.de) will über den Journalismus diskutieren (http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/meine-vier-satze-fur-den-journalismus/) und will von Allen eine Meinung zu vier Fragen. Dann meine ich mal:

Das sollte jeder Journalist/jede Journalistin heute lernen:
Dass Pferdekutscher mal ein echt wichtiger Beruf war, der eine goldene Zukunft hatte.

Nutzerbeteiligung macht den Journalismus besser, wenn …
Alle Nutzer ein bayerisches Abitur haben.

In zehn Jahren werden wir uns darüber wundern, dass in der heutigen Debatte …
Lauter Leute mitreden, von denen in zehn Jahren niemand mehr als Journalist arbeitet.

So könnte ein Geschäftsmodell für den Journalismus von morgen aussehen:
Spenden. Mitleid. Corporate. Und ein, zwei, drei Inseln à la Zeit, Spiegel, SZ. Mehr nicht.

Arme Johanna Adorján!

Arme Johanna Adorján!

Da muss sie sich in Marcel Reich-Ranickis Wohnzimmer schicken lassen, um für die F.A.S. ein Interview zu führen, auf das MRR so was von überhaupt gar keine Lust hat, dass es schier weh tut, das zu lesen. Sie müht sich, er murrt. Ein Dokument des Scheiterns, hier der Schluss:

….

Wir sind fertig. Bitte, ich will Sie nicht noch länger quälen.

Sie haben sehr viel von mir gehört.

Finden Sie?

Wahnsinnig viel!

In den anderen Interviews haben Sie viel mehr gesagt.

Nein.

Nein? Dann las sich das nur so.

Sie haben, das ist nicht Ihre Schuld… Ich verstehe den Unterschied, dass Sie davon reden. Weil Sie Dinge rausholen möchten, über die ich mich nicht äußern möchte.

Und gibt es etwas, worüber Sie ganz viel Lust hätten zu reden, dann könnten wir das jetzt tun!

Nein.

Klatsch aus dem Literaturbetrieb?

Nein.

Da sollen Sie so gut informiert sein, heißt es.

Weiß ich nicht. Manchmal ist es so, manchmal ist es nicht so. Es wundert mich übrigens, dass Sie nicht nach meinen Liebesgeschichten gefragt haben.

Darüber hätten Sie gerne gesprochen?

Nein.

5×5 Fragen

Die fünf ist ja eine heilige Zahl: Die fünf Säulen des Islam, die fünf Sinne, fünfstellig sind die Postleitzahlen, fünf Mitglieder hatten – so ungefähr – die Beatles…

So hat Spiegel Online dem Bahnchef Grube (fünf Buchstaben!) im Rahmen eines „etwas anderen Interviews“ 5×5 Fragen gestellt. Und zwar zu Kopf, Konzern, Karies – äh: Karriere, Krise, Kuriosem.

Irgendwie etwas gewollt, dieses Format, finde ich. Aber immerhin ein Format:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,695501,00.html

Warum nicht Beoncé statt Carstensen?

Gerd Rapior ist ein ehrenwerter Journalist, er arbeitet für den NDR, liefert „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ landespolitische Berichte zu, die Kollegen in der Landespressekonferenz Schleswig-Holstein wählen ihn zu ihrem Vorsitzenden.

Er interpretiert seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag etwas – sagen wir mal – breiter und unkonventioneller als die anderen Sesselfurzer und trainiert die Landes-CDU in Interviewtechnik. Der Ministerpräsident, der CDU-Sprecher und der Landesgeschäftsführer, der Innen- und der Finanzminister, allen bringt Herr Rapior bei, wie man Interviewfragen pariert.In einem Schloss, in dem schon mal die Beatles übernachtet haben, oder – im Falle des Herrn Ministerpräsidenten – auch per Hausbesuch. Für 1200 Euro pro Sitzung.

Gut, nun wird Herr Rapior zwar von den Gebührenzahlern dafür bezahlt, dass er den Politikern Interviewfragen stellt, aber es spricht doch eigentlich nichts dagegen, wenn das alles in einer Hand bleibt, oder? Und für die Binnenkonjunktur ist es auch gut, wenn die NDR-Journalisten ein bisschen etwas dazuverdienen, das kann er ja gleich wieder ausgeben, der Herr Rapior.

Die Kollegen aus der Chefetage des NDR sind da allerdings sehr unlocker. Sie reden von „journalistischer Unabhängigkeit“ und sowas und werfen Herrn Rapior

„gravierende Verstöße des Mitarbeiters gegen arbeitsrechtliche Bestimmungen und Interessen des NDR“ vor. Rausgeschmissen haben sie ihn.

Einen Fehler muss man allerdings Herrn Rapior machen: Hätte er mal lieber Beoncé trainiert, dann würde die lustigere Antworten geben, und Ingo Moce hätte sie nicht erfinden müssen. So hängt nämlich alles mit allem zusammen.

Further Information:

http://www.epd.de/medien_index_72911.html

http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/hamburg/article6933918/Suspendierter-NDR-Journalist-schulte-auch-Carstensen.html

http://www.ndr.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/pressemeldungsh226.html

http://www.sueddeutsche.de/u5338q/3283453/Nebenjob-Trainer.html

http://www.ln-online.de/news/2760758

Neon hat Kummer

Mindestens so interessant wie die Mitteilung selbst über gefälschte Interviews bei neon

http://www.neon.de/kat/freie_zeit/literatur/presse/305750.html

ist die Debatte darüber auf neon.de.

Ohne jede Häme: Dem Stern hat sich gefakte Hitlertagebücher andrehen lassen. Bei der New York Times ist ein Reporter – trotz massiver Warnhinweise seiner betreuenden Redakteure – aufgestiegen und aufgestiegen, hat dort Hunderte von Artikeln untergebracht – bis das Blatt seine CopyPaste- und Lügenmethoden wahrhaben wollte. Die Washington Post hat einen Pulitzer-Preis gewonnen mit einer Geschichte, die von vorn bis hinten erlogen war.

Fakes hat es im Journalismus immer gegeben und wird es immer geben. Frisierte und gefälschte Interviews wird es immer geben.

Wie immer kleinere Redaktionen das verhindern sollen – I don’t know.

Putzig allerdings ist die Begründung der Basler Zeitung, warum man Mocek-Interviews gedruckt habe:

… Aufgrund dieser positiven Erfahrung und aufgrund der Tatsache, dass «Neon» eine Dokumentation besitzt, die für den Faktencheck verantwortlich ist und Texte sowieso nur mit einer Bewilligung der Chefredaktion zum Zweitabdruck freigibt, hatten wir uns vertrauensvoll dafür entschieden, das Interview mit Beyoncé Knowles in unserer Zeitung zu bringen…

http://bazonline.ch/kultur/pop-und-jazz/Zu-gut-um-wahr-zu-sein/story/24608394

Das kommt dann von dem ganzen Outgesource!

Der Bubenmissbrauch, die Juden – und die Heilbronner Stimme

Der Jesuiten-Pater Eberhard von Gemmingen gibt der Heilbronner Stimme ein Interview zum Missbrauchsskandal an Jesuitenschulen. Der Mann war von 1982 bis 2009 Chef der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, er ist also ein Medienvollprofi. Er sagt der Heilbronner Stimme Dinge, die – nun ja, ich will höflich bleiben, ist ja schließlich ein Kirchenmann – ziiiiiiiiiiiiiiiiiiiiemlich unmissverständlich missverständlich sind, und zwar – laut Spiegel Online:

„Es ist fatal, nun den ganzen Orden schlechtzumachen. Ich muss einen Vergleich ziehen: Mit den Juden ist es so losgegangen, dass vielleicht der ein oder andere Jude Unrecht getan hat. Dann aber hat man schlimmerweise alle angeklagt und ausrotten wollen. Man darf nicht von einzelnen Missetaten ausgehen und eine ganze Gruppe verurteilen. Und die Gefahr, dass das passiert, ist groß.“

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,676223,00.html

Die Heilbronner Stimme, die nach eigener Auskunft dem Herrn Pater das Interview zum Gegenlesen gegeben hatte, stellt selbiges auf ihre Internetseite. Nachdem der Kirchenmann merkt, was für – wie gesagt, wir wollen höflich bleiben – äuuuuuuuußerst steile Thesen er da in die Welt gesetzt hat, ist die Heilbronner Stimme so freundlich, das Interview um die Passage zu bereinigen.

http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/region/Jesuiten-Pater-Eberhard-von-Gemmingen-Jesuitenschulen-Missbrauchsskandal;art16305,1758974

Warum haben das die Kollegen gemacht? Ist der Chefredakteur in Sorge, dass sein Sohn das Abitur in St. Blasien auch wirklich schafft? Oder ist der diensthabende Sonntagsredakteur Messdiener gewesen und will Schmutz von der Kirche abwenden? Oder steht der ganze Laden auf Gemmingens Payroll? Ich finde das ziemlich unprofessionell und jämmerlich, wie sich die Zeitung da zum Laut- und dann wieder zum Leisesprecher eines Kirchenfunktionärs macht.