Archiv der Kategorie: Antwort(en) der Woche

„Es ging Richtung Innenarchitekt“ – Interview mit Lothar Matthäus im Stern

Mal wieder ein echter Arno Luik, diesmal im Gespräch mit Lothar Matthäus, im aktuellen „Stern“ (34/2010): Unverschämt, dreist, behauptend, suggestiv und mutig der Frager; wahnsinnig selbstentblößend und letztlich tragikomisch der Antworter.

Meine Lieblingspassage:

…Sie verdanken dem Ball alles.

Manchmal, ganz selten, denke ich, vielleicht wäre ich ohne den Ball glücklicher. Ich hatte ja einen interessanten Job als Innenarchitekt.

Als Raumausstatter.

Es ging Richtung Innenarchitekt, mich hat es sehr interessiert, Ideen aufs Blatt zu bringen und in die Realität umzusetzen…

„Hitler war ein ehrbarer Mann“ – Interview mit Carlos

Hammer-Interview von Stephan Maus mit Top-Terrorist Ilich Ramírez Sánchez, besser bekannt als: Carlos im aktuellen „Stern“ (33/2010), leider nur die Pressemeldung online.

Schön zum Beispiel: „Hitler war ein ehrbarer Mann. Ehrbar! Er hat sich für eine Sache geopfert, an die er glaubte. Solche Menschen muss man respektieren.“ Ein echt heller, analytischer Kopf, dieser Carlos.

oder auch:

Wie rechtfertigen Sie all die unschuldigen Opfer?

Oh, wir haben keine Unschuldigen getötet. Ich habe keine Unschuldigen getötet. Gut, vielleicht ein paar. Gut. Ja. Möglich.

Antwort der Woche: MP Meinungslos

BamS: Verraten Sie uns, wie Sie im Raucher-Volksentscheid heute abstimmen werden?

Seehofer: Ich habe bereits per Briefwahl abgestimmt. Und die bleibt geheim, jedenfalls bis Montag. Im Übrigen haben wir in der CSU einer Abstimmung des Volkes selten mit so großer Gelassenheit entgegengesehen wie dieser. Wir können mit beiden denkbaren Ergebnissen gut leben und werden es in jedem Fall respektieren.

http://www.bild.de/BILD/politik/2010/07/04/koalition-horst-seehofer/wie-viel-lebenswillen-hat-die-koalition-noch-teil-2.html

Vom Nichtraucherschutz kann man ja halten, was man will, aber: Dass ein bayerischer Ministerpräsident, der in seinem früheren Leben auch mal Bundesgesundheitsminister war, am Tag des Nichtraucherschutzvolksentscheides in seinem Freistaat keine Meinung hat bzw. diese nicht zu äußern in der Lage ist – das ist schon ein Polit-Schmankerl, finde ich!

Antwort der Woche: „Ich sage dir, Frankreich ist nischt in Gefahr“

Sensationell!

Die Zeit (2. Juni, S. 6) hat Ramsis Aktennotizen und Ramsi über die Vulkanasche interviewt, hier meine Lieblingspassage:

Zeit: Jetzt spielen Sie uns den Gelassenen vor. Es stand für Sie doch Spitz auf Knopf!

Ramsauer: … Den Franzosen war es da schon völlig egal, ob noch etwas in der Luft war. Ich war gerade beim Joggen, als mich der Kollege aus Frankreich anrief. Ich fragte ihn: „Warum lässt du fliegen?“, und bekam zur Antwort: „Peter, isch sage dir, Frankreich ist nischt in Gefahr.“

Zum Jauchzen: Niggemeier vs. Jauch 4:4

Dassmanrischdischlustjetjauchintavjuwattakollejedajefüathat.

Ickwüadmasahn: Flischtlektürö!

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20-jahre-stern-tv/

(Danke, Mareike, für den Hinweis!)

Antwort der Woche: „Natürlich ist es gut, wenn man nicht aussieht wie ein Toaster“

SZ: Hilft Ihr Aussehen beim Spiel?

Naujoks: Natürlich ist es gut, wenn man nicht aussieht wie ein Toaster…

(„Wir spielen um viel Geld, da hilft kein tiefer Ausschnitt“, Interview mit Sandra Naujok, Süddeutsche Zeitung, 5.3.2010)

„Das mit den 32 Jahren wird sich noch ändern“ – Kristina Köhler im Interview

Welt am Sonntag: Frau Ministerin Köhler, Sie sind 32 Jahre jung, kinderlos – was befähigt Sie, das Familienministerium zu führen?

Kristina Köhler: Das mit den 32 Jahren, das wird sich ja im Laufe der Zeit ändern…

Für mich die Antwort der Woche (unter http://www.welt.de/politik/article5436677/Was-befaehigt-Sie-ueberhaupt-zur-Ministerin.html)

Nick Cave: „Ich hasse, was ich höre“ – Antwort der Woche

Das Sonntags-Interview im Tagesspiegel: häufig gut, bisweilen richtig gut. Wie neulich das mit Nick Cave (http://www.tagesspiegel.de/kultur/pop/Sonntag-Nick-Cave;art971,2955159):

Wenn Sie einen Ihrer Sinne opfern müssten, welchen würden Sie geben?

Mein Gehör.

Ihr Gehör?

Ja. Ganz sicher.

Warum?

Weil ich liebe, was ich sehe, und hasse, was ich höre.

Aber dann gäbe es keine Musik für Sie.

Ich komme ohne Musik klar. Ich finde die Geräusche dieser Welt manchmal schwer zu ertragen.

Antwort der Woche: Wie man beim Schach bescheisst

Werden wir bald ein Buch von Ihnen lesen?

Es gibt einige Verlagsinteressen. Und ich habe einen herrlichen Arbeitstitel, der etwas ordinär ist, mir aber gut gefällt. Der lautet: „Wie man beim Schach bescheißt“. Aber der hat mit meinem Buchprojekt tatsächlich nichts zu tun.

(Miriam Meckel im Gespräch mit ihrem ehemaligen Vorgesetzten Peer Steinbrück, FAS, 16.11.2009)

http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E6F97749729A946999B1DFB63DA0925E6~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Frage der Woche: Bild-Interview mit Guttenberg

Endlich fragt’s mal einer!

Endlich sagt’s mal einer!

BILD: Werden Sie – wie Ihre Soldaten – „Krieg“ nennen, was sich in Afghanistan abspielt?

Guttenberg: Ich will ganz offen sein: In Teilen Afghanistans gibt es fraglos kriegsähnliche Zustände. Zwar ist das Völkerrecht eindeutig und sagt: Nein, ein Krieg kann nur zwischen Staaten stattfinden. Aber glauben Sie, auch nur ein Soldat hat Verständnis für notwendige juristische, akademische oder semantische Feinsinnigkeiten?

http://www.bild.de/BILD/politik/2009/11/03/afghanistan/interview-mit-minister-guttenberg.html

Antwort der Woche: „War doch nur einer von vierzig.“

Meine Antwort der Woche: „Das Interview war nur ein Text von insgesamt mehr als vierzig.“

Sagt Frank Berberich, Chefredakteur von Lettre International, über die Skandalisierung seines Interviews mit Thilo Sarrazin. Putzig, diese Sichtweise.

Hier der Link auf V.i.s.d.P.: http://www.visdp.de/post/220739692/dilettantismus-phrasen-irrefuhrung-parolen

Echt schön, SÜDDEUTSCHE,

dass Du heute dieses Interview mit Steven Spielberg gebracht hast: Man lernt was über den Menschen und seine Arbeit, und Spaß zu lesen macht’s auch.  Enjoy! http://www.sueddeutsche.de/kultur/369/472889/text/

Antwort der Woche

Eigentlich schon uralt, aber beim Schreibtischaufräumen brandaktuell aufgetaucht: das Jahres-Interview der Zeit mit Harald Schmidt, Ausgabe 2008. Ganz großes Tennis, meine Antwort(en) der Woche. Voilà:

Schmidt: Ich höre mich eher reden. Die Optik spielt nicht so eine große Rolle. Ich weiß, dass ich jetzt ungefiltert über Theater rede. Da überleg ich nicht: Sag ich’s jetzt, oder sag ich’s nicht? Wenn ich Interviews mit einer Boulevardzeitung habe, gibt es eben ’ne kleine Performance. Da behaupte ich dann, ich würde jetzt mit meinem Lebensgefährten zusammenwohnen oder so. Da geht’s ja drum: Die müssen mit Sprüchen nach Hause kommen, damit’s in Google läuft.

ZEIT: Vor drei Jahren hatten Sie ein Gespräch mit André Müller, dem Meisterinterviewer. Wie war das?

Schmidt: Nach dem Müller-Interview habe ich den ganzen nächsten Tag gekotzt, ich hatte Migräne, weil es mich so angestrengt hat. Da bin ich erstarrt in Respekt vor der Interview-Legende. Müller hatte den Tisch voll mit Material, Zitaten, Manuskripten. Das liegt vor ihm wie eine Landkarte. Und dann nimmt er so ein Blatt hoch und fragt: Wenn Kinder verhungern, is Ihnen doch egal, oder? Und ich: Nee, is mir nich egal. Er: Wieso, ich denk, Sie seien ein Zyniker. Dann sagt er über sich: Ich bin unglücklich; ich weine. Er wollte unbedingt, dass ich sage, ich hab keinen Spaß am Leben. Er will einen todunglücklichen Menschen präsentieren. Und ich bin drauf eingegangen. Für mich war der Level das legendäre Interview, das André Müller für die ZEIT mit dem damaligen Burgtheaterdirektor Claus Peymann führte und das ganz Wien in Aufruhr brachte. Da wollte ich hin. Im Nachhinein muss ich sagen: Pech gehabt, kleines Streberlein. Das war mein Streberehrgeiz, der mich da reingetrieben hat.

ZEIT: Wieso Streberehrgeiz? Haben Sie doch gar nicht mehr nötig. Sie standen schon mal auf der Cicero- Liste der wichtigsten Intellektuellen, auf Platz zwei. Nur Günter Grass war noch vor Ihnen.

Schmidt: Ich hatte gehofft, dass er zurücktritt von Platz eins nach der Enthüllung seiner SS-Vergangenheit. Wie ein disqualifizierter Tour-de-France-Sieger. Er hat es dann leider nicht gemacht. Und außerdem: Es war ja leider nur Cicero.

… und später:

ZEIT: Letztes Jahr dachten wir schon, Sie leiteten den endgültigen Abschied vom Fernsehen ein.

Schmidt: Ach, diese Interviews haben eine geringe Halbwertszeit. Das war meine Stimmung damals, das war die Tagesform. Vielleicht sollte ich mehr Interviews geben. Vielleicht sollte ich hauptsächlich Interviews machen – das tägliche Interview, das das gestrige Interview relativiert.

(„Bua, Bua!“, Interview mit Harald Schmidt, Die Zeit 42/2008, http://www.zeit.de/2008/42/Interview-Harald-Schmidt?page=all)