„Ich mit Buch – das ist neu“ – SPIEGEL-Gespräch mit Michael Schumacher

Es kommt nicht oft vor, dass der Spiegel ein Interview zum Titelthema macht – erst recht nicht zum alleinigen Titelthema. Diese Woche war das aber so: Mit „Was bringen mir ein paar Siege mehr“ (für das Fragezeichen war kein Platz) ist das Gespräch mit Michael Schumacher überschrieben.

Was also halten wir von diesem Interview?
Zur Aufstellung: Der Spiegel ist in Mannschaftsstärke angerückt -Chefredakteur, Ressortleiter Kultur und Sportredakteur. Also ein Fachidiot und – ohne den Herren jetzt zu nahe treten zu wollen – zwei Idioten. Erstmal nicht schlecht, fachliche Kompetenz gepaart mit hohem Rang. Viel Gold auf den Schulterklappen schmeichelt dem Interviewpartner. Und der Leser hat auch was davon, wenn nicht nur Fachleute fragen.
Das Interview ist kein reines Frage-Antwort-Interview: In durchgeschriebenen, längeren Passagen (bis zu einer halben Seite) wird Atmo geschildert, zurückgeblickt,  überhöht. Und – wir sind schließlich beim Spiegel – damit angegeben, wie lange und wie gut man Schumi schon kennt.
Im Interview geht es um sein Leben als Rennsport-Rentner; den Rücktritt vom Rücktritt und den Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt; die Zukunft der Formel 1.
Einige Male haben die Interviewer Fragen in den Text gepfropft, bei denen man sich denkt: „Wo kommst Du denn jetzt plötzlich her?“ Sie fragen „Fragen“ wie „Er [Massa] hat großes Glück gehabt, oder?“ oder „Es war Ihnen nicht egal, was in der Zeitung steht?“ Sie lassen Schumi sagen: „Aber es war auch sehr schön [Feedback aufs Comeback“ und „Ich bin glücklich [jetziges Leben]“ und „Ich würde es das Ausloten von Grenzen nennen [Motorradrennen]. Sie reden mit ihm erst über das Comeback, dann über die Medien, dann über das Motorradfahren, dann wieder über das Comeback und dann wieder über die Medien.
Also: Ist man berührt, wenn man das Interview liest? Überrascht? Denkt man sich: „Whow, krass, dass der das so sagt. Und krass, dass die das aus dem rausgekitzelt haben!“? Not really.
Liegt’s am Spiegel? Nein, es liegt an Schumi. Er kann einfach besser Auto fahren als über das Autofahren reden.
Für mich die beste Antwort von Schumi: „Ich mit einem Buch auf der Terasse – das ist auch für mich neu.“ Es fällt einem nicht wirklich schwer, das zu glauben.
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