Interview mit Eckart von Hirschhausen: „Es wird am Ende nicht besser“

Wie viele Interviews am Tag kann man geben, ohne im Kopf blöd zu werden?

Eckart von Hirschhausen: Nicht viele. Eines.

Wie viele Interviews am Tag geben Sie in der Regel?

Eckart von Hirschhausen: Nicht mehr so viele wie früher, ich habe zu oft die gleichen Fragen beantwortet.

Ein gutes Interview…

Eckart von Hirschhausen: …ist eines, aus dem ich selbst noch etwas lerne über mich. Wenn man einen neuen Zusammenhang erkennt. Deshalb ist es so wichtig, dass der Interviewer vorbereitet ist. Wenn ich an den ersten drei Fragen merke, dass der noch nicht mal auf meiner Homepage war, dann verliere ich sofort die gute Laune. Neulich hatte ich so ein Telefoninterview, wo ich rauf- und runtergefragt wurde und merkte: Das hat überhaupt keinen Plan. Und dann sagte die Frau noch, ein bisschen patzig: „Sie sind doch Humortrainer, da müssten Sie eigentlich lustiger sein…“ Da wäre ich beinahe durch den Hörer gesprungen!

Wer war das?

Eckart von Hirschhausen: Das sage ich jetzt nicht, aber jedenfalls keine so wichtige Zeitung…

Was ist der häufigste Fehler, den Journalisten im Interview machen?

Eckart von Hirschhausen: Schlecht vorbereitet – geht gar nicht. Zu gut vorbereitet, im Sinne von: Ich weiß schon alles – das ist auch nicht gut. Man beobachtet das an einigen Talkshows, wo der Interviewer als wichtigstes Ziel hat zu zeigen, was er selber alles weiß, das geht schnell auf Kosten des Erkenntnisgewinnes. Und dann: Kein Ende zu finden. Wenn ein Gespräch gut läuft, muss man einfach mal „Cut“ sagen. Ich bin – und das wird auch jetzt wieder so sein – extrem frustriert, wenn ich ganz viel erzähle und dann wird davon nur ein Bruchteil abgebildet. Ich fühle mich als Interviewpartner verarscht, wenn das Kostbarste, was ich habe – nämlich Zeit und Aufmerksamkeit – missbraucht werden.

In welchem Verhältnis darf die Redezeit zum gedrucktem Text stehen, damit es aus Ihrer Sicht noch angemessen ist?

Eckart von Hirschhausen: Drei zu eins, würde ich sagen. Meistens ist es zehn zu eins bis zwanzig zu eins. Es ist auch eine Illusion, dass die genialsten Sätze am Ende eines Interviews gesprochen werden. Es wird tendenziell nicht besser.

Dann machen wir, bevor es zu fad wird, gleich Schluss! Unterbrochen zu werden ist…

Eckart von Hirschhausen: …ähnlich degoutant, denn in einem Interview wird ja eine Beziehung aufgebaut, die durch häufiges Unterbrechen gestört wird. Ein anderer, gern gemachter Fehler: die Technik nicht zu beherrschen. Wenn man da sitzt und seit einer halben Stunden wird nichts mehr aufgezeichnet, weil die Kassette alle war – das hat zwar einen gewissen Anfängercharme, der sich aber ziemlich schnell abnützt.

Wie gelingt ein Interview?

Eckart von Hirschhausen: Ich habe immer, wenn das möglich war, den Journalisten vorgeschlagen, während des Interviews spazieren zu gehen. Licht und Bewegung brauchen wir alle, und so hilft es beiden Seiten, wenn man das Gerät nimmt und gemeinsam eine Runde dreht. Man redet dann auch ganz anders miteinander, muss sich nicht die ganze Zeit anschauen – eigentlich die viel natürlichere Art des Miteinander-Sprechens. Gedanken kommen buchstäblich in Bewegung, und man ist hinterher besser drauf. Oft macht man, wenn man gemeinsam eine Runde dreht um einen See oder in einem Park, auch einen inhaltlichen Bogen – man kommt auf etwas zurück vom Anfang des Gespräches. Und darum geht es ja auch im Interview, eine Form von Kohärenz zu schaffen. Eine Kohärenz, die einem vielleicht selbst gar nicht klar ist.

(Interview mit Eckart von Hirschhausen, Bonn, Ende August 2008. Wissenschaftsjournalist, Medizinkomiker, Erfolgsschriftsteller und jetzt auch Talkshowgastgeber – Eckart von Hirschhausen predigt dem Land auf allen Kanälen. Die Seiten, die seine PR-Leute promotet haben wollen: http://www.humorhilftheilen.de und http://www.hirschhausen.com. Ein Interview mit EvH ist im Playboy 9/2009 erschienen.)

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Eine Antwort zu “Interview mit Eckart von Hirschhausen: „Es wird am Ende nicht besser“

  1. Ich wollte gerade mal Hallo sagen. Ich lese jetzt hier schon einige Tage mit. Deshalb: Hallo 🙂

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